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Die Unterschiede am Beispiel Helite Turtle
Außer den hier aufgeführten Aspekten, gibt es zu dem Thema Airbagwesten noch einige andere Gesichtspunkte bei anderen Herstellern.
Diese Gesichtspunkte beleuchten wir in einem anderen Kapitel.
Um das Bild nicht zu verfälschen weil „Äpfel mit Birnen“ verglichen werden, beziehen wir uns hier NUR auf die Unterschiede zu den Auslösevarianten des Herstellers Helite bei dem Modell „Turtle“, da es diese Airbagweste in beiden Varianten gibt.
Inhaltsverzeichnis
Der Schutz des Airbags
Grundsätzlich unterscheidet man bei Airbagwesten zwischen mechanischer und elektronischer Auslösung. Beide Systeme basieren auf dem selben Prinzip: Eine Druckluftkartusche bläst im richtigen Moment Airbagschläuche auf, die sich in einer Weste befinden.
Die Füllung des Airbags geschieht bei beiden Systemen gleich schnell, da das Airbagvolumen und die Kartuscheninhalte identisch sind.
Aktivierung des Airbagschutzes und Auslösung
Mechanisch:
Bei mechanisch auslösenden Airbagwesten ist man über eine Reißleine mit dem Motorrad verbunden.
Sobald man sich über den Clip mit der Reißleine verbindet, ist der Airbagschutz aktiviert
Kommt es zu einem Sturz, bei dem sich Fahrer und Motorrad voneinander trennen, spannt sich diese Verbindung und löst den Airbag rein mechanisch aus. Das System arbeitet ohne Sensoren, ohne Software und ohne Stromversorgung. Das bedeutet: keine Akkus, kein Aufladen, kein Einschalten vor der Fahrt, keine elektronischen Zustandsanzeigen. Die Weste ist jederzeit einsatzbereit, auch nach längerer Standzeit oder über die Winterpause hinweg.
Elektronisch:
Bei der elektronisch auslösenden Airbagweste wird der Airbag anders „gezündet“. In einer Kontrolleinheit (ECU) im Innern der Weste arbeitet eine Elektronik mit Sensoren, die Bewegungen, Beschleunigungen und Lageänderungen auswerten. Erkennt das System anhand dieser Daten untypische Bewegungsmuster für den normalen Fahrbetrieb, vermutet es einen drohenden Sturz und löst den Airbag elektronisch aus: Es wird eine kleine Sprengkapsel gezündet, die die Druckluft aus der Kartusche freigibt und den Airbag füllt.
Die Aktivierung des Airbagschutzes geschieht durch Einschalten der ECU an der Weste. Man muss darauf achten, dass der Akku geladen ist. Bei längerer Nichtbenutzung wird eine Erhaltungsladung empfohlen.
Reaktionszeit und Sturzerkennung:
Mechanisch:
Die Reaktionszeit bei der mechanischen Variante liegt bei ca. 75 Millisekunden.
Die Sturzerkennung ist genauso simpel, wie zuverlässig:
Der Fahrer trennt sich vom Motorrad -> der Airbag löst aus
Die gefahrene Geschwindigkeit spielt dabei keine Rolle.
Elektronisch:
Bei der Reaktionszeit sind elektronische Auslösevarianten etwas schneller, da hier keine Zeit vergeht, um eine Reißleine zu spannen; - sie dauert ca. 60 Millisekunden.
Der Zeitunterschied lässt sich hier nicht genau benennen, da jede Situation unterschiedlich ist. Wir reden hier von ca. 15-20 Millisekunden Unterschied, alles schneller, als ein menschlicher Lidschlag.
Ein Vorteil des elektronischen Helite-Systems, ist die Möglichkeit, die elektronische Weste mit einem zusätzlichen Erschütterungssensor zu koppeln, der am Rahmen des Motorrades befestigt wird.
Dieser Sensor nimmt Erschütterungen war, wenn man im Stehen von einem Fahrzeug angefahren wird. Er löst dann den Airbag in der Weste aus, sodaß man auch bei einem Anfahrunfall geschützt ist.
In Kombination mit diesem Sensor beträgt die Reaktionszeit nur ca. 35 Millisekunden.
Wo Licht ist, ist auch Schatten! – Fehlauslösungen.
Die Elektronik regelt nach festgelegten Parametern. Grob gesagt ist festgelegt, welche Kombinationen aus den Werten der Sensordaten zum „normalen“, also gewünschten Fahrzustand gehören und welche Kombinationen unter „Sturz“ eingeordnet sind.
Die Elektronik vergleicht und zündet bei der Definition „Sturz“ den Airbag.
Stellt sich die Frage: Was gehört zu „Normal“ und was zu „Sturz“?
Auch, wenn der Akku geladen, die Weste eingeschaltet und die Elektronik einwandfrei arbeitet, kann es zu Airbagauslösungen kommen, obwohl kein Sturz droht.
- Fälle, die wir selbst miterlebt haben -
1. Supersportler auf der Autobahn:
Bei zügiger Fahrt kommt der Fahrer aus seiner geduckten Position hinter der Scheibe hervor, richtet den Oberkörper auf und dreht sich nach hinten um. -> Airbagauslösung
- Adventure- Bike Fahrer bei einem Kurventraining:
In der Ausrollrunde stellt sich der Fahrer kurz auf die Rasten, um sich zu strecken und lässt sich dann in die Sitzbank „fallen“ -> Airbagauslösung
Zusammenfassend kann man sagen, dass es bei JEDEM Hersteller von elektronischen Airbagwesten Fehlauslösungen gibt, da die Datenkombinationen nicht auf alle Situationen passen können!
Man bedenke alleine nur die vielen unterschiedlichen Daten, die in einer ECU hinterlegt sein müssen, um z.B. unterschiedliche Fahrbahnverhältnisse (Autobahn / Feldweg), Einsatzzwecke (Trackday / Serpentine) und Fahrerprofile abzudecken; z.B. für Schräglage, Brems- und Beschleunigung, usw.
Die Ecu kann nicht unterscheiden, welches Fahrverhalten tatsächlich gewünscht ist und welches zu einem Sturz führt.
Was bei dem einen Nutzer zum Fahren dazu gehört, führt bei einem anderen Fahrer zum Sturz.
Da der Airbag ist zum Schutz da ist, wird im Zweifelsfall von der ECU ausgelöst!
Kosten
Mechanisch:
die günstigste Variante bei der Anschaffung ( ab ca. 599,-€ in neongelb)
Ersatzpatrone ab ca. 24,-€
Elektronisch:
in der Anschaffung ca. 140,-€ teurer
Ersatzpatrone ab ca. 69,-€
Auf den Punkt gebracht:
Zusammenfassend lässt sich festhalten: Beide Auslöseprinzipien sind absolut effektiv!
Die mechanische Variante punktet dort, wo Kosten eine Rolle spielen, und wo es robust und simpel sein muss.
Die elektronische Variante hat ihre Vorteile beim Komfort, wenn man oft das Motorrad wechselt (z.B. Werkstattfahrten) oder oft Auf- und Absteigt (Fahrlehrer).
Vergleichstabelle
Airbag-Auslösung | MECHANISCH | ELEKTRONISCH |
|---|---|---|
Trageposition | über jeder Jacke | über jeder Jacke |
Airbag-Schutz | gleich | gleich |
Airbag-Schutz aktivieren | mechanisch einclipsen | elektronisch einschalten |
Akku | - | integriert, |
Akkudauer | - | 25 Std. |
Erhaltungsladung | - | notwendig |
Reaktionszeit | ca. 75Ms | ca. 60Ms |
Fehlauslösung | - | möglich |
Rückenprotektor | integriert, herausnehmbar | integriert, herausnehmbar |
Anzahl Auslösungen | "beliebig" | "beliebig" |
Kartuschentausch | selbst | selbst |
Service / Inspektionspflicht | keine | keine |
Preis (black) | 549,-€ | 689,-€ |
Preis (hi-vis / gelb) | 599,-€ | 739,-€ |
Ersatzkartusche | 24,-€ | 69,-€ |